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Die Ankündigung der Regierung, den Gaza-Streifen komplett zu okkupieren, hat Proteste von Israelis hervorgerufen. Tausende demonstrieren am Donnerstag Abend wie am Samstag. Soweit ich es von israelischen Medien herleiten kann, gibt es derzeit drei Protestbewegungen in Israel. Die eine wird von den Familien der Geiseln und Opfer getragen. Sie fordern die sofortige Freilassung aller bei gleichzeitigem Waffenstillstand, bitten aber darum, ihren Protest nicht zu politisieren. Die zweite wird von vielen Israelis, mit denen ich spreche, als links verstanden, demonstriert zumeist in Tel Aviv, kooperiert teils mit Angehörigen der Geiseln, wendet sich darüber hinaus auch gegen die Regierung. Die dritte schien erst kurz vor meinem Abflug zu entstehen. In Haifa und weiteren Städten im Norden des Landes protestieren arabische und jüdische Israelis gegen das Hungern in Gaza und fordern den sofortigen Stopp. Die meisten Menschen, mit denen ich spreche, haben von diesen dritten Protesten noch nie etwas gehört, ich beginne an deren Stärke zu zweifeln. Da ich an drei Shabbat-Tagen hier bin, möchte ich zu allen dreien gehen – zu den Kundgebungen der Kibbuzim im Süden, in Haifa und in Tel Aviv, in dieser Reihenfolge.
Kumpel
Zwischendrin entfaltet sich etwas Alltag. Mit den Kindern von Tomer Kochen, Fußball spielen, im Kibbuz-Pool baden, der Besuch eines vier Monate alten Babys und dessen Eltern, Strand und Meer und eine Geburtstagsfeier bei Herzliya, nördlich von Tel Aviv, ausgerichtet von Noam (er verdeutlicht, dass er gar nichts dagegen hat, mit seinem wirklichen Namen hier aufzutauchen). Auf dem Weg zur Party bleibe ich, Kian aus meiner Zeit in Be‘er Sheva auf dem Beifahrersitz, mit dem Auto zum ersten Mal im Leben im Sand stecken. Eine wichtige Lebenserfahrung denke ich, zumindest ab dem Punkt, an dem der stärker werdende Geruch des Getriebes (oder irgendeines anderes Autoteils, ich weiß es nicht, aber es stank) einem verdeutlicht, dass ohne Hilfe anderer manchmal einfach kein Weiterkommen ist.

Die Hilfe erscheint in Form der „Yadidim“, am ehesten vielleicht mit „Kumpel“ zu übersetzen. Sie sind eine Freiwilligen-Organisation, die sich per App koordinieren und Menschen helfen, die wie ich im Sand stecken bleiben (ich bin erleichtert, offenbar passiert das nicht nur Europäer:innen). Anekdotisch amüsant für mich: im Straßenverkehr herrscht unter Israelis regelrechte Verachtung für ALLE Fahrer:innen außer sich selbst, auch ich habe inzwischen fleißig zurück-gehupt und möglicherweise etwas rüde gestikuliert (ich soll hier schließlich überleben, wurde mir vor Abflug gesagt). Aber sobald wer im Sand stecken bleibt, kommen Freiwillige, ziehen dich wieder raus und wollen nicht mal Geld. Take that, ADAC.
Kein Vertrauen in Europa
Aller Alltag kaschiert jedoch nicht die politische Situation. Meine Anwesenheit führt automatisch zu Fragen, was gut ist, denn dann kann auch ich Fragen stellen. Mit Noam zu diskutieren ist wild, unterhaltsam, intensiv, hin und wieder zeigt sich auch Verzweiflung, neuralgische Punkte werden nicht ausgespart. Er sucht viel, betont die Komplexität des Konflikts, seine Argumentation ist eine abwägende. Erstes Ziel müsse sein, dass die Geiseln freigelassen werden. Danach müsse aber zweitens auch die Hamas zerstört werden. Für die Hamas dürfe es keine Zukunft geben, der 07. Oktober soll ihr letztes Verbrechen gewesen sein. Frieden ist mit einer solchen Organisation, schlussendlich der Regierung von Gaza, nicht möglich. Damit es einen solchen geben könne, dürfe die Terrororganisation nicht weiter existieren. In die eigene Regierung hat er dabei genauso wenig Vertrauen wie die Leute, die ich im Süden gesprochen habe. Wenn es um Sicherheitspolitik geht, sind Mossad und Shin Bet die zwei Institutionen, denen er noch Entscheidungen zutraut, die im Interesse der Sicherheit der Israelis sind.
Hinsichtlich der Wahrnehmung Europas durch die Augen progressiver Israelis bestätigt Noam den Eindruck, der bei mir aufkommt. In Europa hat er kein Vertrauen, teils belächelt er es, teils benennt er den wachsenden Antisemitismus als bedrohlich. Nicht nur bei ihm stelle ich diese, vielleicht enttäuschte, vielleicht verbitterte, Haltung gegenüber Europa fest. „Europa“ im Allgemeinen hat in dieser Wahrnehmung einen blinden Fleck wenn es darum geht, das Ziel der Hamas, die Zerstörung Israels, zu erkennen, dass sie es sind, die noch die israelischen Geiseln gefangenhalten, dass sie zivile Strukturen als Verstecke für ihre Kämpfer und Munition nutzen. Die Verantwortung der Hamas für den 07. Oktober, die Bedrohung die die Organisation für jedes israelische Leben bedeutet, werde so von Europa negiert. Referenzen auf die zwar kritischer werdende, jedoch immer noch zu Israel haltende deutsche Regierung und nach wie vor große Teile der deutschen Gesellschaft, für die selbiges gilt, werden in der Diskussion gehört, aber nicht weiter debattiert.
Noam begreift mich als Stellvertreter des gesamten Kontinents, sagt das auch ganz offen, findet mich als die in seinem Garten herumrauchende Europa aber auch gar nicht so schlimm. Mit Noam zu sprechen ist etwas sehr vertrautes für mich. Wir kennen einander seit mehr als zehn Jahren, wurden Freunde während unseres Studiums in Be’er Sheva, haben uns gegenseitig sowohl in Israel als auch in Europa besucht. Unsere Debatten waren immer sehr lebendig, so auch diese. Daran hat sich nichts geändert. Woran sich etwas geändert hat, ist seine Suche für eine sichere Zukunft und die damit einhergehende Unsicherheit.
Die Psyche der Tel Avivis – Ein Blitzlicht
Noams Nachbarin Shana hat den Blick einer Großstadt-Psychotherapeutin auf die israelische Gesellschaft. Sie arbeitet in Tel Aviv, ihre Klient:innen sind Tel Avivis, „also alle, inklusive mir, ziemlich links“, sagt sie. Im Gespräch gemeinsam mit Noam am Strand, einen Tag nach der Party, wünscht sie sich einen sofortigen Waffenstillstand. „Die Menschen brauchen eine Pause. Es ist alles zu viel. Meine Kolleg:innen und ich – die meisten Psychotherapeut:innen hier sind links – verabscheuen die Regierung.“ Einige ihrer Patient:innen sind Soldat:innen. Bei einigen von ihnen ist festzustellen, dass sie ihre moralischen Werte nach dem Einsatz im Gaza verletzt sehen. Wie behandelt sie das, wie behandelt sie generell das kollektive Trauma nach dem 07. Oktober? Vermutlich ist ihre Antwort typisch psychotherapeutisch: „Interessante Frage, denn das ist individuell sehr verschieden.“ Ihren Job mag sie, sie hat das Gefühl, so wenigstens irgendetwas tun zu können. Auch sie fragt mich zur Debatte in Deutschland und merkt an, sie könne die internationale Kritik nachvollziehen. Das Gespräch gleitet über zur Zukunft der israelischen Demokratie. Noam meint, Netanyahu werde sowieso wieder Premierminister. Nachdem er die israelische Demokratie endgültig im Strand beerdigt hat, stimmt Shana seinem Szenario zu. Wie blicken ihre Patient:innen darauf? „Die Hälfte leugnet es, die andere macht einfach weiter mit ihrem Leben.“

Eine Bank in Tel Aviv – „Warum sind sie immer noch in Gaza?“
Mutterschutz, Krieg, Emigration
Maryah und Kian haben vor vier Monaten ein Baby bekommen. In ihrer Wohnung in Beer Sheva haben sie keinen Schutzraum, also haben sie die zwölf Tage im Krieg mit Iran im Haus von Maryahs Eltern verbracht. Der Schutzraum dort war groß genug. Dass Kians Tante aus Argentinien zu Besuch kam und noch zwei Tage vor dem Krieg meinte, sie habe bei all ihren Besuchen in Israel keine einzige Sirene gehört, löst noch heute Lachen bei ihnen aus. „Am Ende kam es schlimmer als alles, was die Sirenen in den Jahren zuvor angekündigt haben und sie hat die Hälfte ihres Besuchs im Schutzraum verbracht.“ Wiederkommen möchte sie dennoch.
Das Paar kämpft nicht nur mit der Sicherheitssituation. Mutterschutz ist hier nur für drei Monate bezahlt. Danach gibt es keine Leistungen mehr, Punkt. Keine Elternzeit oder vergleichbares. Maryah und Kian sind sich noch nicht sicher, wie sie die nächsten Monate bestreiten wollen. Doch ihr Wunsch, in ihren Job als Selbstständige in der Kinderbetreuung zurückzukehren, ist vorhanden. Die Zukunft ihrer Tochter stellen sie sich außerhalb Israels vor, sie wollen das Land verlassen, nach Portugal zum Beispiel. Die Informationen, die sie sich zur Lage in Gaza holen, beziehen sie von Ha‘aretz, der als deutlich „links“ wahrgenommenen, israelischen Zeitung. Die Nachfrage, mit welchen Worten sie das Geschehen beschreiben würden, erübrigt sich. Und der wachsende Antisemitismus in Europa? Kian hebt verzweifelt die Arme, ringt sie, um sie dann wortlos und ermattet fallen zu lassen. Maryah: „Ich denke mir inzwischen, dass nach der Ausreise ausnahmslos alles besser werden wird.“ Langsam breche ich auf. Währenddessen beginnt Maryah, den aktuellen Stand ihrer Diskussion mit Kian, wie Kinderbetreuung und ihre Karriere in dieser Situation miteinander auszuverhandeln sind, noch einmal von ChatGPT begutachten zu lassen.
Eine Kundgebung zwischen Trauer und Hoffnung
Mit dem Abend endet der Shabbat. Ich fahre erneut zum Kibbuz bei Sderot, dann mit Tomer zur Kundgebung der Familien. Sie teilen den Schmerz mit fragiler Fassung. Vielleicht sind es 300, vielleicht auch 500 Leute, die gekommen sind, gut schätzen kann ich das nicht. Für 673 Sekunden – die Anzahl der Tage, die die Geiseln in Gefangenschaft sind – steht die Versammlung still, umringt die Straße mit den gelben Fahnen und Schildern mit Bildern der Geiseln. Es ist eine trauernde Szenerie, die doch getragen wird von der Hoffnung, dass die verbleibenden Israelis in Gaza zurückkehren werden.

Einer der Redner, ein Bruder von sich noch in Gaza befindlichen Geiseln, kritisiert heftig die Regierung, sie sei nicht in der Lage, die Situation adäquat zu bewältigen. Zwischenzeitlich wendet er sich auf Englisch an Trump, die Israelis vor ihrer eigenen Regierung zu bewahren. Ein Generalstreik wird gefordert, Gewerkschaften und CEOs werden aufgerufen, diesen zu unterstützen. Ich bin etwas überrascht, lautete die deutliche Bitte im Aufruf doch, die Kundgebung nicht zu politisieren. Dass sie dennoch politisiert wird, gerade von rechts stehenden Israelis, erläutert mir Tomer. Beschimpfungen aus dem Auto heraus habe es in der Vergangenheit immer wieder mal gegeben. Am nächsten Tag meldet die Histadrut, der Dachverband der israelischen Gewerkschaften, dass sie die Forderung nicht stützt. Dennoch wird für den nächsten Sonntag dazu aufgerufen. Ein grassroot – Streik soll es nun werden.
Some everyday life above the situation
The government’s announcement that it would completely occupy the Gaza Strip has sparked protests from Israelis. Thousands are demonstrating on Thursday evening, as they did on Saturday. As far as I can gather from the Israeli media, there are currently three protest movements in Israel. One is led by the families of the hostages and victims. They are demanding the immediate release of all hostages and a simultaneous ceasefire, but are asking that their protest not be politicized. The second is seen as left-wing by many Israelis I speak to. It mostly demonstrates in Tel Aviv, cooperates in part with relatives of the hostages, and also opposes the government. The third seemed to emerge shortly before my departure. In Haifa and other cities in the north of the country, Arab and Jewish Israelis are protesting against the starvation in Gaza and demanding an immediate end to it. Most of the people I talk to have never heard of these third protests, and I am beginning to doubt their strength. Since I am here for three Shabbat days, I want to go to all three – to the rallies in the kibbutzim in the south, in Haifa and in Tel Aviv, in that order.
Buddies
In between, everyday life unfolds. Cooking with Tomer’s children, playing soccer, swimming in the kibbutz pool, visiting a four-month-old baby and his parents, the beach and the sea, and a birthday party in Herzliya, north of Tel Aviv, hosted by Noam (he makes it clear that he has no objection to appearing here under his real name). On the way to the party, with Kian from my time in Be’er Sheva in the passenger seat, I get stuck in the sand for the first time in my life. An important life experience, I think, at least from the point where the increasingly strong smell of the transmission (or some other car part, I don’t know, but it stank) makes it clear that sometimes you just can’t get anywhere without the help of others.

Help arrives in the form of the “Yadidim,” which could perhaps best be translated as “buddies.” They are a volunteer organization that coordinates via an app and helps people who, like me, get stuck in the sand (I’m relieved that this apparently doesn’t only happen to Europeans). Anecdotally amusing for me: in traffic, Israelis have a real contempt for ALL drivers except themselves. I, too, have been diligently honking back and possibly gesturing a little rudely (after all, I was told before departure that I had to survive here). But as soon as someone gets stuck in the sand, volunteers come to pull you out and don’t even want any money. Take that, ADAC! [ ADAC is a German NGO, representing the interests of car drivers. People can call them in case of need, so they help too, but it costs. 22 million Germans are members of that car drivers‘ NGO. Crazy country! (I‘m also a member) ]
No trust in Europe
However, everyday life does not conceal the political situation. My presence automatically leads to questions, which is good, because then I can ask questions too. Discussing with Noam is wild, entertaining, intense, and occasionally desperate; sensitive issues are not avoided. He searches a lot, emphasizes the complexity of the conflict, his argumentation tries to evaluate the different aspects of the conflict in a nuanced way. The first goal must be to free the hostages. But then, secondly, Hamas must be destroyed. There should be no future for Hamas; October 7 should have been its last crime. Peace is not possible with such an organization, which is ultimately the government of Gaza. For peace to be possible, the terror organization must cease to exist. He has as little confidence in his own government as the people I spoke to in the south. When it comes to security policy, Mossad and Shin Bet are the two institutions that he still trusts to make decisions that are in the interests of Israeli security.
With regard to how Europe is perceived through the eyes of progressive Israelis, Noam confirms the impression I have formed. He has no trust in Europe; he partly ridicules it and partly describes the growing anti-Semitism as threatening. It is not only him who I notice has this attitude toward Europe, which is perhaps disappointed, perhaps embittered. In this perception, „Europe“ in this perception turns a blind eye to Hamas with its objective to destroy Israel, continues to hold Israelis hostages and uses civilian structures as hiding spots for their fighters or ammunition. The responsibility Hamas holds for October 7, the threat that it holds for every Israeli life, is being neglected by Europe, says Noam. References to the German government, which is becoming more critical but still stands by Israel, and to large sections of German society, for whom the same applies, are heard in the discussion but not debated further.
He doesn’t like going to demonstrations; it’s too much for him, he just can’t do it. He, too, feels the already described hopelessness, as well as a tangible fear of the complete destruction of all Jewish life in this country. Talking to Noam is something that feels very known to me. We have been knowing each other for ten years, became friends during our studies in Be’er Sheva, we have visited each other in Israel and Europe alike. Our debates always have been vivid, so is this one. That hasn’t changed. What has changed is his search and uncertainty for a safe future.
The Mindset of Tel Avivians – A Flash of Insight
Noam’s neighbor Shana has the perspective of a big-city psychotherapist on Israeli society. She works in Tel Aviv, and her clients are Tel Avivians, “so everyone, including me, is pretty left-wing,” she says. Talking with her and Noam on the beach the day after the party, she expresses her desire for an immediate ceasefire. “People need a break. It’s all too much. My colleagues and I – most psychotherapists here are left-wing – detest the government.” Some of her patients are soldiers. Some of them feel that their moral values have been violated after serving in Gaza. How does she deal with this, how does she deal with the collective trauma after October 7 in general? Her answer is probably typical of a psychotherapist: “Interesting question, because it is very individual.” She likes her job; she feels that at least she can do something. She also asks me about the debate in Germany and notes that she can understand the international criticism. The conversation drifts to the future of Israeli democracy. Noam thinks Netanyahu will become prime minister again anyway. After he has finally buried Israeli democracy, Shana agrees with his scenario. How do her patients view this? “Half of them deny it, the other half just get on with their lives.”

A bench in Tel Aviv – „Why are they still in Gaza?“
Maternity leave, war, emigration
Maryah and Kian had a baby four months ago. They don’t have a shelter in their apartment in Beer Sheva, so they spent the twelve days of the war with Iran at Maryah’s parents‘ house. The shelter there was large enough. The fact that Kian’s aunt came to visit from Argentina and said two days before the war that she had never heard a single siren during all her visits to Israel still makes them laugh today. “In the end, it was worse than anything the sirens had warned of in previous years, and she spent half of her visit in the shelter.” Nevertheless, she would like to come back.
The couple is not only struggling with the security situation. Maternity leave is only paid for three months here. After that, there are no more benefits, period. There is no parental leave or anything comparable. Maryah and Kian are not yet sure how they will manage over the next few months. But she does want to return to her job as self-employed childcare provider. Both of them envision their daughter’s future outside of Israel and want to leave the country, perhaps for Portugal. They get their information about the situation in Gaza from Ha’aretz, an Israeli newspaper perceived as clearly “left-wing.” There is no need to ask them how they would describe what is happening. And what about the growing anti-Semitism in Europe? Kian raises his arms in despair, wrings them, then lets them fall wordlessly and wearily. Maryah: “I now think that after we leave, everything will be better, without exception.” I slowly get ready to continue driving. Meanwhile, Maryah begins to have ChatGPT review the current status of her discussion with Kian about how to negotiate childcare and her career in this situation.
A rally between grief and hope
The evening marks the end of Shabbat. I drive back to the kibbutz near Sderot, then with Tomer to the families‘ rally. They share their pain with fragile composure. Maybe there are 300 people there, maybe 500; I can’t estimate it well. For 673 seconds—the number of days the hostages have been in captivity—the gathering stands still, surrounding the street with yellow flags and signs bearing pictures of the hostages. It is a mournful scene, yet one sustained by the hope that the remaining Israelis in Gaza will return.

One of the speakers, a brother of hostages still in Gaza, strongly criticizes the government for its inability to adequately handle the situation. He then addresses Trump in English, asking him to shield Israelis from their own government. A general strike is called for, and unions and CEOs are urged to support it. I am somewhat surprised, as the appeal clearly asks not to politicize the rally. Tomer explains to me that it is nevertheless being politicized, especially by right-wing Israelis. There have been repeated incidents of verbal abuse from cars in the past. The next day, the Histadrut, the umbrella organization of Israeli trade unions, announces that it does not support the demand. Nevertheless, the call for the rally remains in place for the following Sunday. Now it is supposed to become a grassroots strike.

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